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Dreieinhalb Stunden mit „DHH“ – David Heinemeier Hannson

David Heinemeier Hansson ist ein dänischer Programmierer, der unter anderem das populäre Web-Application-Framework Ruby on Rails geschrieben hat. Zudem hat er mit seinem Geschäftspartner Jason Fried nicht nur das webbasierte Projektmanagement-Tool Basecamp (früher: 37signals) ins Leben gerufen, sondern auch Bestseller wie Rework und Remote: Office Not Required geschrieben.

Und der Däne, der seinen Führerschein erst mit 25 machte, gewann nur neun Jahre später – mit 34 Jahren – das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, das auch als „Grand Prix of endurance and efficiency“ bezeichnet wird.

Hansson gilt als Mensch, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält. Entsprechend viele Themen werden auch sehr offen von Hansson und Ferriss angerissen. Und natürlich versucht Ferriss – wie immer in seinem Podcast – die Regeln bzw. die zugrundeliegende Philosophie herauszuarbeiten und zu dekonstruieren, die Hansson auf seinem Weg unterstützt und ihn nicht nur ein sorgenfreies, sondern auch glückliches Leben beschert hat. Eine dieser Regeln ist …

„It‘s always your fault!“

Ein Leitsatz des Dänen, mit welchem er sich immer wieder vor Augen führen möchte, wie wichtig es ist, selbst Verantwortung zu übernehmen und Fehler oder Fehlentwicklungen nicht auf andere oder unglückliche Umstände zu schieben. Denn nur auf diese Weise könne man von Fehlern lernen und Wiederholungen dieser Fehler vermeiden. Er versuche Kontexte, die zu diesen Fehlern geführt haben, immer als System oder Rückkopplungsschleife zu betrachten. Und indem man sich vor Augen hält, dass ein Fehler immer auf einen selbst zurückzuführen ist, interpretiere man sich als Teil dieses Systems. So sei er beispielsweise bei Basecamp immer Teil des Systems, unabhängig davon, ob er an einem Projekt beteiligt war oder nicht.

Aber er habe bei der Herausbildung der Rahmenbedingungen, der Unternehmenskultur usw. mitgewirkt, insofern ist ein Fehler in diesem System immer auch ein sein Fehler. Diese Philosophie habe er auch versucht, bei seinem Rennteam durchzusetzen. Denn gerade Rennteams tendieren häufig dazu zu sagen: „Oh ja, das ist einfach so passiert, da haben wir Pech gehabt.“ Natürlich habe man manchmal Pech, aber per definitionem sei Pech einfach: „Es gab lediglich eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief gehen könnte und dennoch ging es schief.“ Viele aber verwenden das Konzept eher folgendermaßen: „Es gab eine große Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief gegen könnte und es ging auch schief. Und das ist Mist!“ Aber das habe laut Hansson in aller Regel nichts mit Glück oder Pech zu tun, sondern einfach mit schlecht ausgearbeiteten Systemen, schlechter Planung, schlechtem Design usw.

Wenn man Fehler aber anderen Menschen oder einem abstrakten Konzept wie Pech in die Schuhe schiebe, gehe man nicht nur seiner Mitverantwortung aus dem Weg, sondern verhindere, dass man aus Fehlern lernt. Und wenn man nicht aus seinen Fehlern lerne, wie könne man dann sicherstellen, dass es beim nächsten Mal besser wird? Wie solle man Pech daran hindern, wieder zu geschehen? Indem man also anerkenne, dass man immer auch mitverantwortlich ist, sei man eher geneigt etwas zu tun, denn man frage sich automatisch, was man hätte anders machen können, um das Ergebnis beim nächsten Mal zu verbessern.

Und nur so sei Weiterentwicklung möglich.

Erwartungen – nicht das eigentliche Ergebnis – determinieren, ob Du am Ende glücklich bist

Hansson wollte nach eigener Aussage nie das beste Programm schreiben. Eines der besten, ja. Aber er sei an zu vielen Dingen interessiert, um hundertprozentig lediglich auf eine Sache zu fokussieren. Ebenso wenig wollte er Millionär werden. Komfortabel leben, ja. Es sei sowieso nicht richtig, wenn man seinen Erfolg, seine Erwartungen und Ziele an Dingen festmachen würde. Das sei ein Fehler, den auch viele Start-up-Unternehmer machen würden. Diese begeben sich auf einen Schweinsgalopp und arbeiten sich zu Tode, um ihr Unternehmen nach sieben bis zehn Jahren teuer zu verkaufen und auf einer Insel Mojitos zu trinken. Und sie erwarten, dass sie dann automatisch glücklich wären. So funktioniere das aber nicht.

Die meisten kommen nach drei Wochen gelangweilt wieder zurück und versuchen, das, was beim ersten Mal gut funktionierte, erneut mit einem zweiten Start-up zu realisieren. Denn das, was wirklich glücklich mache, zu innerer Ruhe („tranquility“) führe, sei das, womit man Flow-Momente erreiche. Und nur über diese sei wiederum eine Weiterentwicklung möglich. Das sei ihm eigentlich von Anfang an klar gewesen, weshalb er sein Unternehmen nicht aufbaute, um Millionär zu werden, sondern um in einer korrespondierenden Umgebung so viele Flow-Momente wie möglich zu kreieren und sich weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus diskutieren Ferriss und Hansson ihre Ansichten zum Leben allgemein, betonen insbesondere die Maximierung des eigenen Wohlbefindens, die Stoische Philosophie, die Sicherstellung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Arbeit und Freizeit respektive Familie, den Zusammenhang zwischen Produktivität und ständiger Erreichbarkeit, Flow und vieles andere mehr. Es lohnt sich in jedem Fall, mal reinzuhören!

Diejenigen, die in die Podcast-Episode reinhören möchten, können dies hier tun:
http://tim.blog/2016/10/27/david-heinemeier-hansson/

Diejenigen, die nicht genug von DHH und Ferriss bekommen können, bekommen hier einen Nachschlag:
http://tim.blog/2016/11/25/david-heinemeier-hansson-on-digital-security-company-culture-and-the-value-of-schooling/

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